Silvia Scherzers Einsatz für Ruanda
ENGAGEMENT - Eine Puschendorferin hat einen Solarkocher für die Menschen in dem afrikanischen Land entwickelt.
Wie aus einem von Neugier getriebenen Abenteuerurlaub ein leidenschaftliches Engagement für nachhaltige Entwicklungsarbeit werden kann, zeigt Silvia Scherzer eindrücklich. „Ich habe schon viele Länder der Erde bereist. Doch in Ruanda hat es mir mit am besten gefallen“, sagt sie. Das ostafrikanische Binnenland „mit den tausend Hügeln“ bezeichnet Scherzer als „fantastisches Land mit herrlichen Menschen“.
Vor zwölf Jahren war es zunächst ihr ausgeprägtes Interesse an einem „Gorilla-Trecking“ gewesen, das sie nach Ruanda geführt hat. Damals waren unter den Mitreisenden auch Verantwortliche des Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz & Ruanda aus Ludwigshafen, die die Mittelfränkin für ihre „Entwicklungszusammenarbeit auf lokaler Ebene“ begeisterten. Auf ihrer nunmehr dritten Reise Anfang dieses Jahres hat Scherzer mit einer Reisegruppe aus Ludwigshafen in der Region Rwankuba nicht nur Kindergärten, Schulen und Berufsschulen besucht, sondern auch ein eigenes Projekt gestartet.
Idee entstand während der Corona-Zeit
Zusammen mit Novizinnen eines katholischen Frauenordens konnte vor Ort aus einfachen Materialien ein Solarkocher gebaut werden. Die Idee dafür ist Scherzer während der Corona-Zeit gekommen, als Strom und Energiekosten so rasant gestiegen waren. Nach einigen Recherchen im Internet und kleinen Selbstversuchen hat sie vor einiger Zeit den Prototypen des Solarkochers im eigenen Haus gebaut.
Das absolut Besondere daran: Der Kocher wird ausschließlich aus einfachen Materialien wie Kartons, Klopapierrollen und alten Zeitungen gefertigt. Das Prinzip funktioniert wie bei einem Gewächshaus oder – global gesehen – wie beim Treibhauseffekt: Die durch eine Alufolie eingefangenen Sonnenstrahlen dringen durch eine durchsichtige Glasscheibe ins Innere, werden von den dunklen Flächen dort aufgenommen und in Wärme umgewandelt.
Die Wärmestrahlung kann aber nicht durch die Scheibe zurück nach außen, sondern wird im Inneren gehalten und durch das Dämmmaterial sowie durch das Klebeband an den undichten Stoß- und Überlappungsstellen des Kartons weiter angeheizt. Als Dämmschicht dienen Klopapierrollen, die mit zerknülltem Zeitungspapier gefüllt sind.
Bei stetiger Sonneneinstrahlung können so im Inneren des Ofens Temperaturen von bis zu 120 Grad Celsius und mehr erreicht werden. Die Gefahr einer Selbstentzündung besteht nicht, da Papier erst bei 200 Grad zu brennen beginnt, erklärt Scherzer. Der zu erwärmende Kochtopf steht also nicht wie bei uns auf der Herdplatte, sondern von einer Glasscheibe verdeckt im Ofen drin.
Doch gleich beim allerersten Bau des Solarofens gab es nicht vorhersehbare Schwierigkeiten. Weil in der Region Rwankuba – etwa in der Mitte Ruandas – keine Zeitung erscheint, gibt es dort auch kein Zeitungspapier. Selbst ein für die optimale Wärmestrahlung notwendiger schwarzer Kochtopf war im ganzen Land nicht aufzutreiben, weiß Scherzer zu berichten. Denn dort wird nur mit Töpfen aus Aluminium gekocht. Und: Natürlich wird der Solarofen bei einem tropischen Regenguss, wie er in dem Regenwaldgebiet nicht selten vorkommt, komplett unbrauchbar.
Davon ließen sich die Beteiligten aber nicht entmutigen. Scherzer, die seit kurzem nach 40-jähriger Tätigkeit in der Stadtverwaltung Fürth nun Rente bezieht, hat sich zum Ziel gesetzt, den Bau dieser Kochstellen weiter zu fördern. Sie ist überzeugt: In einem Land, in dem Feuerholz eine knappe und oft kostspielige Ressource ist, könnte diese Technik einen großen Unterschied machen. Damit könne man nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch die finanzielle Belastung für viele Familien reduzieren.
Kinder und Jugendliche sollen in Ruanda eine Zukunft haben
Es geht ihr und dem Förderkreis aus Ludwigshafen allerdings um mehr als das Errichten von Kochstellen. Im Fokus steht laut Scherzer die Zukunft der Kinder und Jugendlichen in dieser armen Region. Erklärtes Ziel ist es, Schulkindern und Berufsschülern optimale Startbedingungen zu ermöglichen, damit sie später mit einer fundierten Ausbildung den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien sicherstellen können.
Dafür sind diese Menschen auf Spenden angewiesen. Wer die Projekte unterstützen möchte, kann dies einer Spende tun. Jeder Betrag helfe, die Lebensqualität und die Ausbildung von jungen Menschen in Ruanda zu verbessern, unterstreicht Scherzer. Dafür will sie sich jetzt einsetzen und künftig auf andere Fernreisen verzichten.
Spendenkonto: Empfänger: Kath. Kirchenstiftung Rwankuba, IBAN: DE 55 6709 0000 0085 2685 03, VR-Bank Rhein-Neckar. Spendenquittungen werden gerne auf Wunsch ausgestellt.
So schaut er aus, der selbstgebaute allererste Solarkocher von Silvia Scherzer aus Puschendorf.
Bild zur Meldung: Silvia Scherzer (Bildmitte) bei der Präsentation des allerersten Solarkochers in Ruanda mit ihren Mitstreiterinnen und Helfern.