Viel Gaudi bei der Wirtshaus-Kärwa
PUSCHENDORF (raj) – „Das ständige Wiederholen des ewig Gleichen ist die größte Lebensbejahung.“ Dieser zentralen Aussage in der Philosophie Friedrich Nietzsches werden viele fränkische Kirchweihbesucher sicherlich spontan und frohen Herzens zustimmen. Gerade die Puschendorfer Kärwa läuft im Wesentlichen seit Jahrzehnten genau gleich ab. Abweichungen gibt es – notgedrungen - nur alle paar Jahre.
Traditionell am Freitagabend, pünktlich um 20 Uhr, startet die Kirchweih mit dem offiziellen Kärwa-Auftakt im Gasthaus „Zum grünen Baum“ mit Bürgermeisterin Erika Hütten, den Ortsburschen und ihren Madli und vielen geladenen Gästen. Die Kärwaburschen werden natürlich wie jedes Jahr die Kärwa mit ihren traditionellen Kirchweihliedern begrüßen. Der Bürgermeisterin wird das erste Fass Bier anstechen und alle Gäste bei der flotten Musik der „Partykracher“ schwelgen und so richtig in Stimmung kommen.
Wer hier im Grünem Baum „beim Schmotzer“ keinen Platz mehr findet, der kann eines der anderen Lokalitäten des Ortes aufsuchen und dort das Kirchweihwochenende gebührend feiern. Denn die Puschendorfer verzichten seit je her auf ein Festzelt und vergnügen sich in oder – bei entsprechendem Wetter - viel lieber vor den dorfeigenen Wirtshäusern: neben dem „Grünem Baum“ gibt es buntes Kärwa-Treiben in und um die Pizzeria „Rosi & Dani“ am Golfplatz, der „Pizzeria Puschendorf“ in der Neustädter Straße sowie bei „Pudoterran“, dem neuen Lokal mit mediterraner Küche an der Hauptdurchgangsstraße.
Von diesen „Eckpfeilern ausgelassenen Feierns“ abgesehen gibt es in diesem Jahr viel Neues. Weil die bisher stark frequentierte „Havana-Bar“ wegen des Verkaufs des Geländes nicht mehr zur Verfügung steht, öffnet direkt gegenüber in der Dorfstraße die neue „Weinbar“ ihre Pforten. Am Freitag ab 20 Uhr und am Samstag ab 18 Uhr gibt es eine köstliche Auswahl fränkischer Weine von weiß bis rot. Damit die Jugend und alle Junggebliebene auf ihre Kosten kommen, präsentieren wechselnde DJs unweit davon in der „Pudobar“ beim Restaurant Pudoterran bis spät in der Nacht ihren liebsten Hits.
Streng genommen beginnt die Kärwa in diesem Jahr erstmals bereits um 17.30 Uhr in der Kirche Sankt Wolfgang mit dem Kirchweih-Gottesdienst, der heuer vom angestammten Platz am Sonntagmorgen auf den Freitagabend verlegt wurde.
Seit Jahrzehnten wird am Samstag gegen 14 Uhr der Kärwabaum von den Ortsburschen und den Männern der Freiwilligen Feuerwehr ausschließlich mit Muskelkraft und frisch miteinander verknoteten Stangenhölzern, den so genannten „Schwalben“, aufgestellt. Direkt im Anschluss stellen die Kinder unter Beweis, dass so ein „bisschen Baumaufstellen“ auch schneller erledigt werden kann. Anschließend, wenn die Arbeit getan ist, gibt es aus der Hand der Bürgermeisterin für alle aktiv Beteiligten frisch gezapftes Freibier. Am Samstag ab 17 Uhr wird die Dorfjugend seit nunmehr 22 Jahren beim „Kärwalauf“ auf ihre körperliche Fitness getestet.
Der Höhepunkt am Kirchweihsonntag ist zweifelsfrei der allseits beliebte Kärwa-Umzug, der um 14 Uhr seine Runde durchs Dorf beginnt. Am Dorfplatz trifft sich anschließend das ganze Dorf: Man genießt Bratwurst, Braten und Bier oder erfreut sich an der Blumenaktion der Eine-Welt-Gruppe Solentiname oder beim Bücherbasar der Gemeindebücherei.
Für alle Freunde von Märschen, Volksweisen und Bierseligkeit ist die „Männerfrühstund“ am Kärwa-Montag um 10 Uhr im Gasthaus Schmotzer ein absolutes „Muss“. Nirgendwo sonst im Landkreis ist die Stimmung vergleichbar „heiß“, das bestätigt immer wieder die Kapelle Schmerler. Die Frauen treffen sich derweil bei Pudoterran zur Musik von „Schubi the Voice“.
Am Abend gegen 19 Uhr haben die Ortsburschen und ihre Madli noch eine wichtige Pflichtaufgabe zu erfüllen: Beim „Betzentanz“ rund um den Kärwa-Baum gilt es Kondition und Haltung zu bewahren, bis der Wecker klingelt. Mit der Musik des „Weißendorfer Sound-Express“ im Saalbau Schmotzer kann jeder mit oder ohne Tanzbeinschwingen die Kärwa ausklingen lassen, die pünktlich um Mitternacht am Kärwabaum „begroom“ wird - eine ganz besondere Form der Lebensbejahung.
Bild zur Meldung: HIghlight am Montag: das Betz'n-Austanzen um den Kirchweihbaum