Win-win-Situation: Frauen aus aller Welt kümmern sich um turnende Kinder beim Kleeblatt
Fürth - In der neuen Dreifachturnhalle an der Seeackerstraße bietet ein internationales Quintett von Übungsleiterinnen 30 Turn-Kurse pro Woche an. Die SpVgg Greuther Fürth half ihnen und profitiert nun davon. Ohne die Fünf wäre das Angebot nicht möglich.
Früher Nachmittag in der neuen Dreifachturnhalle „Charly Mai“ der Grund- und Mittelschule Seeackerstraße im Stadtteil Ronhof: Es wuselt und rumort hier ganz gewaltig. Die Luft vibriert nahezu, wenn 30 und mehr Kinder und Kleinkinder, teilweise auch unter Mitwirkung ihrer Eltern, sich sportlich betätigen. Da werden künstliche Hindernisse überklettert, durch schlauchartige Tunnels gerobbt, Sprossenwände hochgeklettert und auf schräg aufgestellten Bänken wieder hinabgerutscht.
Direkt in der Halle nebenan betätigt sich eine Gruppe älterer Damen mit Begeisterung und Freude beim „Seniorensport“. Mittendrin und stets dabei die umtriebigen Übungsleiterinnen der Turnabteilung der SpVgg Greuther Fürth, ohne die das Ganze nicht möglich wäre. Babyturnen, Kleinkindturnen und Kinderturnen heißen die speziellen Angebote für Kinder zwischen einem und 14 Jahren unter den insgesamt 30 Sportkursen pro Woche, die die Turnabteilung anbietet.
Sven Apfelstädt ist Abteilungsleiter der Turner bei der SpVgg Greuther Fürth
Abteilungsleiter Sven Apfelstädt ist ein klein wenig stolz darauf, dass 450 der insgesamt 850 Mitglieder bei diesem vielfältigen Angebot speziell für Kinder mitmachen und Spaß haben. „Hier gibt es kein Leistungsdenken“, sagt er. Die Aspekte „in Bewegung sein“ und „im Kontakt mit Gleichgesinnten bleiben“ seien für das Kinderturnen viel wichtiger. „Wir wollen ganz bewusst und gezielt Breitensport für alle mit niederschwelligem Angebot bieten“, so Apfelstädt. Deswegen sei die Gebühr für Kinder betont niedrig gehalten: 69 Euro kostet die Mitgliedschaft für ein komplettes Jahr.
Zusatzbeiträge für einzelne Kursangebote gibt es beim Kinderturnen nicht. Das ist nur möglich mit qualifizierten und engagierten Übungsleiterinnen, die einfach Spaß an der Sache haben. Jemanden für die Nachmittage zu finden, sei nicht so einfach, erklärt Apfelstädt. Doch der Spielvereinigung als Stützpunktverein für das Programm „Integration durch Sport“ ist es gelungen, vier Übungsleiterinnen aus dem arabischen Kulturraum zu gewinnen.
Amani Aqilan hat in Jordanien Sportpädagogik studiert und nun in Deutschland Sportassistentin
Sie sind mit Freuden als frische Absolventinnen der Weiterbildung „Sportassistent interkulturell“ in der Metropolregion zur Turnabteilung gewechselt. „Die Spielvereinigung war meine erste Kontaktadresse“, sagt Amani Aqilan, „da bin ich sofort geblieben.“ Aqilan ist in Kairo geboren und in Jordanien aufgewachsen. Dort hat sie Sportpädagogik studiert und mehrere Jahre an der Schule unterrichtet. 1999 ist sie im Rahmen des Familiennachzugprogramms nach Deutschland gekommen. Wegen der Betreuung ihrer insgesamt sieben Kinder hat Aqilan zunächst viele Jahre nicht gearbeitet. Seit 2018, nach der erfolgreichen Ausbildung zur Sportassistentin, ist sie in der Turnabteilung aktiv.
„Ich bin sehr glücklich und habe hier meine Seele gefunden“, sagt sie strahlend. Den Kurs Wirbelsäulen-Gymnastik hat sie ebenfalls übernommen, weil ihr Vorgänger aus Altersgründen ausgeschieden ist. Mit Hilfe der Verantwortlichen bei der Spielvereinigung ist es gelungen, sowohl ihre Deutschkenntnisse zu verbessern als auch beim Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) die Anerkennung ihrer Ausbildung für den Übungsleiterschein C zu erwirken. „Wir haben mit Hilfe einer eidesstattlichen Übersetzerin die Zeugnisse Amanis ins Deutsche übersetzen und dann beim BLSV anerkennen lassen“, sagt Apfelstädt.
Mit großer Freude hat Aqilan dann die Leitung der Kinderkurse übernommen. Weil nach und nach mit Dania El-Chekaik, Heba Janßen und Tahmineh Aslkhiabani weitere Übungsleiterinnen aus Ägypten und dem Iran dazugestoßen sind, bilden die Vier mit der „dienstältesten“ Silvia Klemenz ein Team, das die Kinderkurse gemeinsam stemmt. „Wir verstehen uns sehr gut“, sagt El-Chekaik. Es sei eine „schöne Erfahrung, dass die sozialen Kontakte hier reibungslos laufen“. Als erfahrene Mütter können sie auch hin und wieder Erziehungstipps den begleitenden Väter und Mütter geben. Fragt man die Eltern nach ihrer Zufriedenheit mit dem Kursangebot für ihre Kleinen, hört man allenthalben das fränkische Maximallob: „Gut - des basd so!“
Bild zur Meldung: Amani Aqilan (mit Kopftuch) und ihre Kolleginnen Dania El-Chekaik, Heba Jannßen und Silvia Klemenz (v. re.) wuppen im Team die Kinderturnkurse bei der Spielvereinigung Greuther Fürth. Nicht im Bild ist Tahmineh Aslkhiabani.