Warum CSU, SPD und Grüne in Puschendorf beim Rennen ums Bürgermeisteramt nicht mitmischen
Die Ausgangslage bei der Kommunalwahl am 8. März ist bekannt: Wie vor sechs Jahren konkurrieren Erika Hütten (parteilos), nun als Rathauschefin, und Herausforderer Alexander Dörr (Freie Wähler) um das Bürgermeisteramt. 2020 hatte Hütten dank einer hauchdünnen Mehrheit in der Stichwahl den Job übernommen, der über einen Zeitraum von 48 Jahren stets an Bewerber aus der SPD oder der CSU gegangen war. Johann Sämann (SPD) stand der Gemeinde als ehrenamtlicher Bürgermeister von 1972 bis 1996 vor, auf ihn folgten die beiden Christsozialen Karlheinz Merz (1996 bis 2002) und Wolfgang Kistner (2002 bis 2020).
Wobei, ganz korrekt ist die letztere Angabe nicht. Denn seine dritte Amtszeit hatte Kistner als parteiloser Kandidat erreicht. Dies war dem Umstand geschuldet, dass die CSU im Wahljahr 2014 zur allgemeinen Überraschung ihre damalige Ortsvereinsvorsitzende Erika Hütten und nicht den Amtsinhaber nominiert hatte – und damit krachend verlor: im Übrigen nicht nur die Bürgermeisterwahl, sondern auch die vorherige absolute Mehrheit im Gemeinderat.
Probleme bei der Kandidatensuche: Die gibt es nicht nur in Puschendorf
Aber warum schicken SPD und CSU jetzt bereits zum zweiten Mal niemanden ins Rennen um das Bürgermeisteramt? Und warum bleiben da auch die Grünen außen vor? Das wollten die Fürther Nachrichten wissen. Die Antworten der Parteivorsitzenden bzw. Co-Vorsitzenden Klaus Madinger (CSU), Klaus Fleischmann (SPD) und Jens Engelhardt (Grüne) zeigen Konstellationen und Probleme bei der Kandidatensuche auf, die möglicherweise nicht nur für Puschendorf, sondern auch für viele andere Orte gelten.
Zuallererst wird darauf hingewiesen, dass die früheren Bürgermeister alle aus einem bestehenden Beamtenverhältnis (Deutsche Bahn oder Polizei) kamen. Als Beamter hätte man nach einer nicht erfolgten Wiederwahl immer das Recht auf Rückkehr in das frühere Dienstverhältnis. Dies sei bei selbstständigen Unternehmern nahezu unmöglich, findet Architekt Madinger.
Für erfolgreiche Angestellte in der Wirtschaft wäre ein befristetes Wahlamt ebenfalls mit einem hohen Risiko für die berufliche Karriere und meistens auch mit einer Gehaltsschmälerung verbunden, sagt der frühere Personalmanager Fleischmann. Überdies wisse man nicht so genau, was einen letztlich mit der Übernahme eines politischen Wahlamts beim Tagesgeschäft erwarte, heißt es. Gerade, wenn ein möglicher Bewerber seinen bisherigen Beruf sehr liebe, falle eine berufliche Neuorientierung nicht gerade leicht, schreibt Lehrer Engelhardt.
Ein hoher zeitlicher Aufwand sowie familienunfreundliche Arbeitszeiten, die sich von früh morgens bis in die späten Abendstunden und an Wochenenden erstreckten, schreckten viele potenzielle Bewerberinnen und Bewerber ab, ergänzt Fleischmann. „Mütter und Väter mit familiären Verpflichtungen oder Alleinerziehende kommen daher häufig nicht in Betracht“, findet er. Ein hohes Maß an Idealismus sei für die Übernahme eines solchen Amts genauso erforderlich wie auch das Aushalten persönlicher Anfeindungen, die zuletzt bundesweit zunehmen.
SPD und Grüne geben in Puschendorf keine Wahlempfehlung ab
Die SPD wie auch die Grünen haben sich entschieden, für die anstehende Wahl keine Wahlempfehlung herauszugeben. Beide Parteien zeigen sich zuversichtlich, mit jedem Amtsinhaber oder jeder Amtsinhaberin konstruktiv zusammenarbeiten zu können. Hauptanliegen sei „eine an unseren Zielen und Vorhaben orientierte, sachbezogene Kommunalpolitik“, lassen die Sozialdemokraten wissen.
Aus der Sicht der Grünen ist „die Zusammensetzung des Gemeinderats mindestens genauso wichtig wie das Amt des oder der Bürgermeisters/in“. Ziel sei es daher, möglichst viele Mandate zu erringen.
Ganz anders die Christsozialen: Dort ist man der Auffassung, dass sich ihr ausgegebener Wahlslogan „Miteinander hat Zukunft“ mit einem „Bürgermeister Alexander Dörr und einer starken CSU-Fraktion im Gemeinderat“ am besten erreichen lasse. Denn ein Bürgermeister solle unbedingt „mit Transparenz, Respekt und Teamgeist handeln“ und „vertrauensvoll mit dem Gemeinderat, der Verwaltung und dem Bauhof alle Projekte frühzeitig beraten und abstimmen“ schreibt die CSU in ihrem Wahlprogramm.
Bild zur Meldung: Da bleiben am Ende nur zwei: CSU, SPD und Grüne stellen in Puschendorf keine Kandidatin bzw. keinen Kandidaten für das Bürgermeisteramt.