Jakob-Ralf
 

& Dorfschreiber

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Wir müssen die Scham überwinden

30. 09. 2022

DEMENZ - 2100 Menschen im Landkreis Fürth sind betroffen. Die lokale Allianz informierte über Merkmale, Unterstützungsmöglichkeiten und Beratungsstellen.

Im Rahmen der 3. Bayerischen Demenzwoche versuchte die lokale „Allianz für Menschen mit Demenz im Landkreis Fürth“ mit einer zentralen Info-Veranstaltung in der Zenngrundhalle verstärkte Sensibilität für diese zumeist schleichende Erkrankung zu entwickeln und über die breit gestreuten Kompetenzen im Umgang mit den Erkrankten zu informieren.

Laut einer aktuellen Studie sind derzeit im Landkreis Fürth rund 2100 Menschen von einer dementiellen Erkrankung betroffen, sagte Landrat Matthias Dießl zur Begrüßung. Die Krankheit ist noch immer nicht gut erforscht. So wisse man nicht genau, was diese Krankheit genau auslöst. Treffen kann sie nach jetzigen Erkenntnissen jeden. Immer mehr sind auch jüngere Menschen davon betroffen, sagte Veitsbronns stellvertretender Bürgermeister Jan Ziegler. Deswegen müsse man damit „aus der Seniorenschiene rauskommen“ und die weit verbreitete Praxis von Scham und Verheimlichen überwinden.

Eva Adorf von der „Fachstelle Demenz und Pflege im Mittelfranken“ gelang es in einem Schnellabriss sowohl die Haupterkennungsmerkmale und Diagnosemöglichkeiten darzustellen wie auch über den typischen Verlauf und die zahlreichen Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung zu informieren. Fakt ist, dass es sich dabei um eine degenerative Erkrankung des Gehirns handelt, die nach bisherigem Kenntnisstand nicht heilbar ist. Der Prozess des Absterbens von Gehirnzellen könne allenfalls verlangsamt werden. Erkennen lässt sich die Erkrankung an – länger anhaltenden und immer zunehmenden - Gedächtnis-, Konzentrations- und Orientierungsstörungen, die einher gehen mit Einschränkungen bei „normalen“ Alltagstätigkeiten und Veränderungen im Verhalten und bei der Persönlichkeit.

Neben der Einnahme von Medikamenten zur Unterstützung geistiger Leistungen sind es vor allem die vielfältigen Möglichkeiten der Hilfestellung durch soziale Zuwendung und Beschäftigung mit Musik oder Tanz, die die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen. 

Da die Erkrankten ihren körperlichen und geistigen Zustand nicht mehr aus eigener Kraft verbessern können, liegt es an den Kontakt- und Betreuungspersonen, sich diesen Menschen mit verändertem Verhalten anzupassen und einen anderen Zugang zu ihnen zu finden, erklärte Adorf. Dazu gibt es zunehmend Informations- und Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden, dem Landkreis und den Kommunen, die von den Betroffenen und deren Angehörigen in Anspruch genommen werden können und auch sollten. Umfragen zufolge werden ungefähr 70 Prozent der Erkrankten durch ihre Angehörigen betreut und gepflegt, die sich selbst zunehmend stark belastet fühlen.

Im zweiten Teil des Abends präsentierten sich verschiedene Anbieter von Diagnose-, Beratungs- und Unterstützungsleistungen im gesamten Landkreis, die dazu ermunterten diese Angebote möglichst frühzeitig in Anspruch zu nehmen.

Angelika Bleicher, die als Koordinatorin und Projektbeauftrage im Landkreis auch mit einem Büro in Veitsbronn vertreten ist, konnte verkünden, dass sich bereits zwölf der 14 Landkreisgemeinden der Initiative „Demenzfreundliche Kommune“ angeschlossen haben und bereit sind die lokale Allianz für Menschen mit Demenz zu unterstützen. „Wer seinen Beitrag dazu leisten möchte, sei er noch so klein, ist herzlich willkommen in unserem Kreis“, lautete die eindringliche Bitte von Landrat Dießl.

 

Bild zur Meldung: Eva Adorf informierte über Behandlungsmöglichkeiten.