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Bürgerversammlung: Schicker Bauhof: Was sich Puschendorf noch leisten kann

13.​12.​2024

Bei der Bürgerversammlung in der Eichwaldhalle beanspruchte Landrat Bernd Obst den Begriff "Zeitenwende" für die sich abzeichnende finanzielle Entwicklung des Landkreises Fürth. Waren die Menschen zuletzt über viele Jahre mit der beruhigenden Einsicht vertraut, dass der Landkreis nur einen ganz geringen Schuldenberg zu schultern hatte, so präsentierte Obst nun eine nahezu dramatische Entwicklung.

 

Vor allem wegen den nötigen Neubauten des vierten Landkreis-Gymnasiums in Cadolzburg (75 bis 80 Millionen) und der Realschule in Langenzenn (Kostenschätzung 70 Millionen) wird sich die Schuldenlast dramatisch verändern.

Neue Radwege und Straßen - das fällt im Landkreis Fürth flach
 

Die Verbindlichkeiten werden sich voraussichtlich von 36 Millionen im Jahr 2025 auf 61 Millionen im Jahr 2027 erhöhen. Weitere Kostentreiber neben den Schulneubauten sind nach Aussage des Landrats die rasant ansteigenden Kosten im Sozialetat, die ständig steigenden Personalkosten, der Unterhalt bestehender Gebäude und der öffentliche Nahverkehr.

 

Wegen genau dieser Entwicklung habe man auf den bereits genehmigten Neubau direkt neben dem Landratsamt verzichtet und ein bestehendes leerstehendes Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft erworben und allein dadurch rund 10 Millionen eingespart. Mit dem Verzicht auf den Ausbau von Straßen und Radwegen und auf weitere Verbesserungen im ÖPNV zeige der Kreistag seinen Sparwillen, betonte Obst.

 

Auf die kritische Nachfrage aus dem Publikum wegen der schlechten Qualität und fortdauernden Verspätung der Buslinie 123 nach Herzogenaurach bekannte der Landrat: Man habe tatsächlich mit der Überlegung gespielt, genau wegen diesen festgestellten Mängeln den mit dem Busunternehmen Lyst geschlossenen mehrjährigen Vertrag einseitig zu kündigen. In Anbetracht der zu erwartenden Nachteile bei einer Vertragsauflösung wie Schadensersatzansprüche durch das Busunternehmen und den finanziellen Risiken einer Neuausschreibung habe man dieses Vorhaben letztlich doch fallengelassen.

 

Weit weniger dramatisch als beim Landkreisetat bezifferte Bürgermeisterin Erika Hütten die finanzielle Belastung der Puschendorfer Gemeindekasse. Lediglich 500.000 Euro Darlehen müsse man zum Jahresende aufnehmen. Damit würde die Pro-Kopf-Verschuldung von 812 Euro auf 1015 Euro anwachsen.

 

Dafür habe man eben erst den Bauhofmitarbeitern einen zeitgemäßen Neubau mit Sozialräumen, Toiletten und Duschen sowie eine beheizbare Fahrzeughalle zur Verfügung stellen können. Die Fertigstellung dieses Baus mit schicker und aufwändiger Holzverschalung stehe unmittelbar bevor. In einem zweiten Bauabschnitt werde man die Sanierung der bestehenden Hallen mit undichtem Dach und ein Sanierungskonzept des Wasserleitungssystems im gesamten Ort in Angriff nehmen.

 

Spürbar erhöhen werden sich für alle Bürger die Kanalgebühren bei der Wasser- und Abwasserversorgung: Beim Wasser von 1,71 Euro je Kubikmeter auf voraussichtlich 2,20 Euro und beim Abwasser von 3,63 Euro auf 3,72 Euro. Dies müsse der Gemeinderat aber noch endgültig absegnen, sagte Hütten. Bei den Hebesätzen für die Grundsteuer wird das Gremium auf eine nochmalige Erhöhung (zuletzt zum Jahresbeginn 2023) verzichten. In der Verwaltung wird nach ersten Schätzungen wegen einer Veränderung im Berechnungsverfahren trotz gleicher Hebesätze mit einer Einnahmensteigerung bei der Grundsteuer von 60.000 Euro gerechnet.

 
 

Bild zur Meldung: Das neuerrichtete Sozialgebäude im Bauhof mit schicker und gleichzeitig aufwändiger Holzverkleidung steht kurz vor der Fertigstellung.