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100 Jahre: Diakonissen feiern Jubiläum

14.​04.​2026

Segensreich - Von Schloss Jägersburg bis Puschendorf: Die Gemeinschaft blickt auf Erreichtes zurück und richtet ihre Angebote und Formate neu aus.

 

„Die Zeiten ändern sich, der Auftrag bleibt!“ Auf genau 100 Jahre segensreiches Wirken kann die Diakonie-Gemeinschaft in diesem Jahr zurückblicken. Hervorgegangen aus der Erweckungsbewegung innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern begann alles am 13. Juni 1926 mit der Einweihung des „neuen Erholungsheims“ auf Schloss Jägersburg bei Eggolsheim im Landkreis Forchheim. „Einen Teller Suppe um 12 Uhr und eine Tasse Kaffee nach der Feier wollen wir im Heim gerne darreichen“, hieß es damals im offiziellen Einladungsschreiben.

 

Mit dieser Feier wurde zugleich der Grund gelegt für ein „Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhaus“. Aufgerufen waren alle Frauen aus den Vereinigten Gemeinschaftsverbänden Ansbach, Nürnberg und Hof, „die da glauben, dass sie einen Drang vom Herrn zum Dienst in der Diakonie (Dienst an Leib und Seele) in sich tragen“. Die seinerzeitige vierfache Aufgabenstellung – Gemeinschaft, Gastfreundschaft, Versorgung von Speisen und Umsorgen von Senioren – traf anscheinend den Nerv der damaligen Zeit: Die Gemeinschaft der „Jägersburger Diakonissen“ wuchs stetig, übernahm immer neue Aufgaben und trat damit den Beweis an, dass auch Frauen berufstätig werden können.

 

Repressalien zur NS-Zeit: Die Schwesternschaft verkaufte Schloss Jägersburg an die Reichsbahn

 

Doch während der Zeit des Nationalsozialismus erlebte die Schwesternschaft schwerwiegende Repressalien. Mit Kriegsbeginn beschlagnahmte das Regime das Schloss und ab Sommer 1940 durfte keine Frau mehr Diakonisse werden. Um einer drohenden Enteignung zuvorzukommen, wurde das Schloss 1943 an die Deutsche Reichsbahn verkauft. Erst nach dem Kriegsende und mehreren logistischen Zwischenstationen konnte die Gemeinschaft 1949 in Puschendorf in einem ehemaligen Erholungsheim einen stabilen Neuanfang wagen. Dort wurden die ursprünglichen Aufgabenfelder aus der Jägersburg beibehalten und ergänzt.

 

Die Jägersburg war in erster Linie ein Erholungsheim sowie ein Treffpunkt für Freizeiten und Tagungen gewesen. Das Haus in Puschendorf wurde bald bekannt als Gästehaus und Zentrum für christliche Freizeiten und Seminare für Jung und Alt. Jahrzehntelang waren die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, die Bildungsarbeit sowie die Kranken- und Altenpflege die bevorzugten Betätigungsfelder der Diakonissen in vielen Orten Frankens und anderen Teilen Bayerns. Mitte der 60er Jahre wurde das Heinrich-Heinel-Heim am östlichen Ortsrand von Puschendorf erbaut. Seitdem werden dort alte und pflegebedürftige Menschen begleitet und professionell gepflegt.

 

1968 kam die Konferenzhalle, die einen Versammlungsraum für 1000 Personen bietet, und ein Mutterhaus-Neubau hinzu, da das bisherige Mutterhaus in der Ortsmitte dringend als Freizeitenheim gebraucht wurde. Die große Zahl der Diakonissen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ermöglichte verschiedenste Einsatzmöglichkeiten im In- und Ausland. Von der leitenden Krankenschwester bis zur Missionarin in Thailand, Haiti, Chile und Schwarzafrika reichten die Einsatzbereiche. Die Führung eines Kinderheims im russischen Slavsk sowie die langjährigen Hilfstransporte mit Weihnachtspäckchen und Kleidern nach Rumänien sind weitere Projekte der Schwesternschaft. 

 

Im Jahr 1974 schlossen sich die Diakonissen gemeinsam mit der „Dienstbruderschaft“ als Vereinigung von angestellten Mitarbeitern und Laien zur „Diakonie-Gemeinschaft“ zusammen.

 

Seit 2015 öffnete sich die Schwesternschaft aufgrund des Nachwuchsmangels nach und nach für Einzelmitglieder und für Schwestern ohne Tracht und Gütergemeinschaft. Aktuell besteht die Diakonie-Gemeinschaft aus 37 Schwestern und 173 Mitgliedern. Unter dem Projekt „Geistliches Zentrum Puschendorf“ wird gerade an der Neuausrichtung der Angebote und Formate gemeinsam mit dem Landeskirchlichen Gemeinschaftsverband (LKG) und dem Christlichen Jugendbund (cjb) gearbeitet.

 

100 Jahre Diakonie-Gemeinschaft Puschendorf: Gefeiert wird in Etappen

 

„Weil Gott mit uns barmherzig ist, werden wir nicht müde.“ Dieser Vers aus dem Korintherbrief bleibt weiter der Leitspruch aller Bemühungen. 

 

Beim Festakt für Mitglieder und geladene Gäste, mit dem der Reigen der Jubiläumsfeierlichkeiten startete, betonten sowohl Landrat Bernd Obst sowie der 3. Bürgermeister Klaus Fleischmann die besondere Bedeutung der Diakonie-Gemeinschaft für den Landkreis und die Ortsgemeinschaft. „Wir haben dank Ihrer beharrlichen Arbeit eine Infrastruktur und soziale Angebote, um die uns andere Kommunen beneiden“, sagte Fleischmann. „Es macht mich als Landrat stolz, eine solch starke Organisation in unserem Landkreis zu wissen“, betonte Obst und äußerte seinen ganz persönlichen Wunsch für die Zukunft: „Werden Sie bitte nicht müde und wirken Sie weiter für die Menschen unserer Zeit!“.

 

Das historische Jubiläum wird in diesem Jahr in mehreren Etappen gefeiert. Mit Konzerten am 13. Juni und 1. November, mit der Beteiligung am Kärwa-Umzug zur Puschendorfer Kirchweih und letztlich beim großen Jahresfest der Diakonie-Gemeinschaft am 20. September gibt es reichlich Gelegenheit zum Mitfeiern.

 

Bild zur Meldung: Die Diakonie-Gemeinschaft Puschendorf - hier auf einem Gemeinschaftsfoto Ende der 1990-er Jahre - besteht seit nunmehr 100 Jahren.

Fotoserien


Festakt 100 Jahre Diakonie-Gemeinschaft Puschendorf (21.​03.​2026)

Die Feierlichkeiten zum 100sten Bestehen der Diakonie-Gemeinschaft Puschendorf wurden mit einem Festakt für Mitglieder und geladene Gäste eingeläutet. Landrat Bernd Obst, 3. Bürgermeister Klaus Fleischmann und die Vorsitzende der LKG Bayern, Bianca Kastner, sprachen Grußworte und gratulierten herzlich. Die passende musikalische Umrahmung bot die "Rieger Family Kombo".

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Alle Fotos Ralf Jakob - Fotos dürfen ausschließlich für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Veröffentlichung - auch in sozialen Medien - bedarf der Genehmigung durch den Autor.